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Digitaler Nachlass: Warum wir unseren digitalen Fussabdruck schon heute regeln sollten

14. Januar 2026 - 
Digitalisierung

Unser Alltag findet längst nicht mehr nur in der analogen Welt statt. Wir kommunizieren online, speichern Fotos in der Cloud, verwalten unsere Finanzen digital und besitzen mitunter Kryptowährungen oder Domains. Was dabei oft vergessen wird: All diese digitalen Spuren bleiben auch dann bestehen, wenn wir selbst nicht mehr da sind. Und während im realen Leben ein Schlüsseldienst helfen kann, wenn der Wohnungsschlüssel verloren geht, existiert im digitalen Raum kein solcher Rettungsdienst: Ohne Passwort bleibt der Zugang für immer verschlossen und die digitalen Werte sind unbrauchbar. Der vorliegende Artikel zeigt auf, welche Schritte Privatpersonen ergreifen sollten, um ihren digitalen Nachlass rechtzeitig und wirksam zu regeln, und welche Prozesse Unternehmen implementieren sollten.

Was gehört eigentlich zum digitalen Nachlass?

Der digitale Nachlass umfasst sämtliche Daten, Konten und digitalen Vermögenswerte, die eine Person hinterlässt, unabhängig davon, ob sie im Internet gespeichert oder auf Geräten abgelegt sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Kommunikationskonten wie E-Mail oder Messenger-Dienste
  • Social-Media-Profile auf Instagram, Facebook, LinkedIn oder X
  • Cloud-Speicher mit Fotos, Backups oder wichtigen Dokumenten
  • Finanzielle Konten wie PayPal, Online-Banking oder Kryptoplattformen
  • Digitale Inhalte wie Lizenzen, Domains oder E-Books
  • Physische Datenträger wie Smartphones und Laptops

Viele dieser Elemente haben immateriellen, emotionalen oder finanziellen Wert und müssen daher genauso sorgfältig geregelt werden wie der übrige Nachlass.

Rechtslage in der Schweiz: Anspruch vorhanden, Zugriff oft nicht

Erbrechtlich ist die Situation klar: Die Erben treten in die gesamte Rechtsstellung der verstorbenen Person ein. Das gilt auch für digitale Verträge und Assets. Doch in der Praxis zeigt sich eine andere Realität:

  • Zugangsdaten fehlen oder sind verschlüsselt.
  • AGB der meist ausländischen Anbieter schränken den Zugriff ein, teils in direktem Widerspruch zum Schweizer Recht.
  • Daten dritter Personen – etwa in E-Mails – bleiben weiterhin geschützt.
  • Die Regeln unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.

Je nach Plattform können Konten automatisch gelöscht werden, nur mit Gerichtsbeschluss zugänglich sein oder von Familienmitgliedern lediglich «in den Gedenkzustand» versetzt werden. Die Spannbreite reicht von Googles Inaktivitätsmanager bis hin zu restriktiven Apple-Regelungen, welche die Konten nach dem Tod grundsätzlich beenden.
 

Wer kümmert sich um den digitalen Nachlass?

Obwohl die Erbberechtigung klar ist, scheitert die praktische Umsetzung häufig an technischen Hürden. Deshalb empfiehlt es sich, eine digitale Nachlassverwalterin oder einen digitalen Nachlassverwalter zu bestimmen, eine Person des Vertrauens, die den Überblick behält, technisch versiert ist und auf einer klaren Vollmacht handeln kann.

Wie kann man vorsorgen? Die wichtigsten Empfehlungen

Die folgenden Schritte, wie man seinen digitalen Nachlass sinnvoll strukturieren und absichern kann:

  1. Digitales Inventar erstellen
    Eine vollständige Übersicht aller Konten, Abonnemente, Geräte und Vermögenswerte anlegen und aktuell halten.
  2. Passwort-Manager nutzen
    Zentral, sicher und im Ernstfall vererbbar, ein entscheidender Vorteil gegenüber verstreuten Einzelpasswörtern.
  3. Vorsorgeauftrag ergänzen
    Digitale Befugnisse klar einbeziehen, damit die Vertrauensperson rechtlich handeln darf.
  4. Nachlassfunktionen aktivieren
    Dienste wie Google, Facebook oder Apple bieten eigene Einstellungen für den Todesfall.
  5. Zugangsdaten sicher hinterlegen
    Etwa in einem verschlüsselten Tresor, kombiniert mit klarer Instruktion an die Vertrauensperson.


Für Kryptowährungen gelten besondere Anforderungen: Ohne Seed Phrase, Private Key oder PIN ist der Zugriff unwiederbringlich verloren. Eine strukturierte Dokumentation und sichere Verwahrung sind essenziell.

Digitaler Nachlass betrifft auch Unternehmen

Unternehmen sehen sich ganz anderen Risiken gegenüber: Der plötzliche Ausfall einer Schlüsselperson kann beispielsweise zu Datenverlust, blockierten Systemen oder Compliance-Verstössen führen. Zentrale Prozesse und Regelungen sind:

  • ein professionelles Zugriffs- und Rollenmanagement
  • klare Notfallpläne
  • saubere Dokumentation kritischer Accounts und Systeme
  • regelmässige Schulungen
  • strikte Einhaltung von Datenschutz und Sicherheitsvorgaben


Der digitale Nachlass wird damit Teil des operativen Risikomanagements.
 

Warum Geschwindigkeit zählt

Nach einem Todesfall sperren Anbieter teilweise rasch Konten oder löschen Daten bei längerer Inaktivität. Deshalb ist zügiges, gut organisiertes Handeln wichtig, idealerweise unter Einbezug aller Erben und mit professioneller Unterstützung, wenn erforderlich.

Fazit: Vorsorge ist der Schlüssel für Sicherheit und Entlastung

Der digitale Nachlass ist kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Vorsorge. Wer seine digitalen Daten, Konten und Werte strukturiert dokumentiert, Zugänge sichert und klare Anweisungen hinterlegt, schützt nicht nur die eigene digitale Identität, sondern entlastet auch die Angehörigen erheblich.

Die wichtigsten Schritte lassen sich problemlos heute schon umsetzen und machen im Ernstfall einen grossen Unterschied.

Autor

Feri Cilurzo

Feri Cilurzo

Mitglied vom Institut Treuhand 4.0 Aeberli Treuhand AG, Zürich

dipl. Treuhandexperte, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung 

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